Wie werde ich resilienter? Die sieben Resilienzfaktoren für Eltern im familialen Verfahren
Familiale Verfahren sind lang. Wer nach dem dritten unbeschiedenen Antrag aufgibt, scheitert selten an der Rechtslage – sondern an der Erschöpfung. Resilienz ist deshalb keine Wohlfühlvokabel, sondern eine Verfahrensressource.
Was ist Resilienz?
Resilienz beschreibt unsere geistig-mentale Widerstandskraft, mit widrigen Umständen und Ereignissen umzugehen. Andere nennen es „Werkzeug“ oder „Coping-Strategien“ – gemeint ist dieselbe Fähigkeit: seelisch-geistig zu bewältigen, was sich nicht abwenden lässt.
Lässt sich Resilienz trainieren?
Ja. Das ist die gute Nachricht gleich zu Beginn: Resilienz ist keine Eigenschaft, die man hat oder nicht hat – sie kann trainiert und ausgebaut werden. Die Frage ist nur, an welchen Stellschrauben.
Welche sieben Resilienzfaktoren nutze ich in der Arbeit?
- Akzeptanz: Das Annehmen dessen, was ist. Nicht Gutfinden – Annehmen.
- Optimismus: Eine positive Sicht auf die Welt, trotzend gegen das vorherrschende BANI-Weltmodell.
- Eigenverantwortung: Die eigenen Gefühle reflektieren und sich regulieren lernen.
- Lösungsorientierung: Lösungen suchen statt PRO-bleme wälzen – was sind meine Ressourcen und Möglichkeiten?
- Zukunftsorientierung: Ziele setzen und erreichen, mit S.M.A.R.T. oder der OKR-Methode (Objectives and Key Results).
- Rollenklarheit: Die selbstgewählte Opferrolle verlassen – ich selbst kann etwas bewirken: MUT statt WUT.
- Netzwerkorientierung: Das soziale Umfeld als Anker, andere Erwachsene als Gegenüber.
Was bedeutet das BANI-Modell für Eltern?
BANI steht für spröde oder brüchig (brittle), ängstlich-bedrohlich (anxious), nicht-linear (non-linear) und unverständlich (incomprehensible). Das Modell beschreibt eine Welt, in der Verlässlichkeit die Ausnahme ist.
Für Eltern in Trennung ist das eine erstaunlich passende Beschreibung des Verfahrensalltags: Termine verschieben sich, Zuständigkeiten wechseln, Entscheidungen folgen keiner erkennbaren Linie. BANI hilft, das nicht als persönliches Versagen zu lesen – und Strategien für den Umgang mit Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit zu entwickeln.
Was ist das BASIC-Ph-Modell?
Ein Modell des israelischen Psychologen und Psychotrauma-Spezialisten Professor Mooli Lahad, bekannt für kreative Methoden der Intervention und Behandlung von Stress. Es beschreibt sechs Bewältigungskanäle, über die Menschen Belastung verarbeiten – jeder Mensch nutzt eine eigene Mischung daraus. Der praktische Wert liegt in der Erkenntnis, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt: Was Ihnen hilft, muss niemandem sonst helfen.
Was ist RifV – Resilienter ins familiale Verfahren?
Ein modulbasierter Ansatz, der die Resilienzfaktoren gezielt auf die Anforderungen familialer Verfahren überträgt: Anhörung, Hilfeplangespräch, Begutachtung, Umgangsgestaltung. Es geht nicht darum, sich unangreifbar zu machen, sondern darum, in Situationen sachlich zu bleiben, in denen man allen Grund hätte, es nicht zu sein.
Ist ein Idealzustand erreichbar?
Nein – und das ist keine schlechte Nachricht. Beim Training der sieben Faktoren wird man einen Idealzustand nicht erreichen. Es ist ein Training, nicht ein Ziel. Nach Maslow spiegelt der Wunsch nach vollkommener Glückseligkeit das Bedürfnis des Menschen, sich selbst zu transzendieren – die Bewegung ist der Zweck, nicht der Endpunkt.
Was ist das hermeneutisch-rekonstruktive Modell (HRM)?
Die rekonstruktive Forschung orientiert sich am Einzelfall und untersucht seine Verortung im sozialen Gefüge. Sie arbeitet die Bedeutung alltäglicher Konstruktionen heraus, die als Re-Konstruktionen verstanden werden.
Die zugrunde liegende Annahme, frei nach Paul Watzlawick: Da sich Menschen immer in irgendeiner Weise zueinander verhalten – auch wenn sie abwesend sind –, stehen sie immer in Kommunikation. Für getrennt erziehende Eltern heißt das: Auch Schweigen ist eine Mitteilung. Die Frage ist nicht, ob kommuniziert wird, sondern was.
Womit fange ich an?
Mit dem Faktor, der Ihnen am leichtesten fällt – nicht mit dem, der am nötigsten scheint. Erfolge tragen weiter als Vorsätze. Wer merkt, dass ein Bereich funktioniert, hat die Energie für den nächsten.
Einordnung und Grenzen dieses Beitrags
Resilienztraining ist ein pädagogisches Angebot und keine Therapie. Bei einer Traumafolgestörung, einer Depression oder anhaltender psychischer Belastung gehört die Behandlung in fachliche Hände – ein Training ersetzt sie nicht.
Quellen und weiterführende Hinweise
- Mooli Lahad: BASIC-Ph-Modell der Bewältigungsstrategien
- Paul Watzlawick: Axiome der Kommunikation
- Abraham Maslow: Bedürfnishierarchie und Selbsttranszendenz
- BANI-Modell nach Jamais Cascio
- Kontakt: elternbleiben.info · elternbleiben.nrw
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